
Von Sandra Reuter
Oppenwehe (WB). Auch vor einem wolkenverhangenen diesigen Oktoberhimmel ist er schon von weitem sichtbar: Der 56 Meter hohe Bohrturm, der seit vier Tagen auf der Suche nach Erdgas in den Oppenweher Boden vorstößt.
Der »Spud In« ist bereits am Samstag erfolgt.. Der feierliche Knopfdruck zum offiziellen Bohrungsbeginn, zu dem die Firma Exxon Mobil Production Deutschland (EMPG) eingeladen hatte, war gestern also ein symbolischer.
Nun ist eine spannende Phase im Projekt »Oppenwehe 1« angebrochen. 300 Meter Tiefe hat die Bohranlage bereits erreicht, rund 2000 Meter wird es noch weiter hinunter gehen, um die geologischen Formationen auf Gasführung zu untersuchen.
Die Daten der Bohrung werden mit denen der bereits abgeschlossenen seismologischen Untersuchung ausgewertet. Aus dem Endergebnis wird ein geologisches Modell erstellt, das Aufschluss über die Potentiale einer Erdgasförderung in Oppenwehe gibt. Für EMPG ist das Projekt in Stemwede das erste in Nordrhein-Westfalen. »Wir sind wild entschlossen, hier den Startschuss für viele weitere Bohrungen in NRW zu geben«, sagt Dr. Gernot Kalkoffen, EMPG-Geschäftsführer. Genau wie Bürgermeister Ekkehardt Stauss hofft er, dass die Bohrungen zum Erfolg werden.
»Für uns ist das ein großer und wichtiger Tag«, sagte Stauss der STEMWEDER ZEITUNG. »Eine an Einwohnern kleine Gemeinde lebt in großer Hoffnung, dass ein förderungswürdiges Erdgasvorkommen gefunden wird.« Die Wahrscheinlichkeit liege zwar nur bei eins zu sieben, weiß der Bürgermeister, dennoch hoffe die ganze Gemeinde, dass im Fall der Fälle das Gewerbesteueraufkommen steigt. »Rat, Verwaltung und Bürger drücken die Daumen, dass finanziell etwas in Stemwede hängen bleibt.«
Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Die erste Testphase dauert zunächst zehn Wochen und wird zeigen, ob sich ein Weiterbohren lohnt. Falls die Probebohrungen erfolgreich verlaufen, startet ein mehrere Monate dauernder Langzeittest, bei dem Gas bereits verstromt würde - falls es denn welches gibt im Oppenweher Boden. Solle der Erfolg ausbleiben, wird aus dem Bohrplatz wieder Ackerfläche. »Wir sind hier, um eine langfristige Zusammenarbeit zu beginnen, und die funktioniert nur mit Vertrauen«, betonte Kalkoffen. Und dieses Vertrauen habe die Gemeinde dem Vorhaben des Energiekonzerns stets entgegen gebracht.
»Wir stehen am Ende einer langen Vorgeschichte«, erläuterte Norbert Stahlhut (EMPG Unternehmenskommunikation). Der erste Kontakt zur Gemeinde Stemwede wurde im Jahr 2007 geknüpft, die seismischen Untersuchungen erfolgten im Juni dieses Jahres. Besonders wichtig ist es dem Konzern, stets über Aktivitäten in Oppenwehe zu informieren. »Wir haben nichts zu verbergen und die Bürger ein Recht auf Information.« Auch in Zukunft wird EMPG die Türen öffnen und in den Dialog mit allen Interessierten treten.
Die Gäste des offiziellen »Spud in« waren beeindruckt von den langwierigen und aufwändigen Vorarbeiten des Projekts. Die Bohranlage - eine der sichersten weltweit - vergleicht Stahlhut mit einem kleinen Zirkusbetrieb. Der Turm, übrigens elf Meter höher als die Dielinger Kirche, war vorher in Damme in Betrieb und ist in Einzelteilen mit Schwerlasttransportern nach Oppenwehe gebracht und dort zusammengebaut worden.
Zunächst musste aber die Zuwegung, das heißt der »Brahendamm« und die Zufahrt zum Bohrplatz, ausgebaut werden - allein das hat 1,4 Millionen Euro gekostet. An erster Stelle steht für Exxon Mobil die Sicherheit, aber auch auf die Natur ist Rücksicht genommen worden - schließlich liegt im Bereich des Bohrplatzes ein Rastplatz für Kraniche. Das Projekt ist deswegen naturschutzfachlich begleitet worden.
Für EMPG ist das Projekt im Oppenweher Nordwesten ein wichtiger Bestandteil der Erschließung sicherer Energiereserven für die Zukunft. »Wir möchten ein guter Nachbar sein, sind bislang überall freundlich aufgenommen worden und haben tolle Unterstützung erfahren«, freute sich Norbert Stahlhut. »Jetzt geht's also los, und wir sind gespannt, ob wir in Stemwede Gas finden.«
31.10.2008
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