
Kreis Gütersloh
Von Carsten Borgmeier
Gütersloh (WB). Ein Roboter lenkt jetzt bei minimal-inversiven Operationen im Städtischen Klinikum die Kamera des Operateurs im Körper des Patienten. In Ostwestfalen-Lippe soll dieses moderne Gerät bislang nur in dem Gütersloher Krankenhaus zum Einsatz kommen.
Minimal-inversiv - das ist das aktuelle Stichwort der Fachärzte bei zahlreichen Eingriffen wie zum Beispiel an der Prostata oder Niere. Die Mediziner vermeiden immer häufiger die früher notwendige, große Operationswunde, sie führen lieber das erforderliche Besteck durch winzige Schnitte zwischen fünf Millimetern und einem Zentimeter in den Patienten ein, operieren dann anhand von Videobildern, die eine Mini-Kamera aus dem Körper liefert.
»Diese Kamera musste bislang jedoch von einer Person während der Operation geführt werden«, erklärt Urologe Dr. Hans-Christian Schoop, »aber das konnte bei mehrstündigen Eingriffen zur Ermüdung des Kamera-Assistenten führen.« Mit dem neuen Roboter steuert der Operateur die Kamera jetzt selbst. Das 18 000 Euro teure Gerät nennt sich »Freehand« und wird in Großbritannien hergestellt. In der urologischen Abteilung des Städtischen Klinikums ist der Roboter bislang 20 Mal zum Einsatz gekommen, »mit guten Ergebnissen«, wie Dr. Schoop und Oberarzt Frank Jurke betonen. Der »Freehand«-Roboter besteht aus einem mechanischen Arm, der am OP-Tisch festgeschraubt wird.
Die wenige Millimeter dünne Leitung mit der Kamera wird in den Patienten eingebracht, während der Operateur ein sogenanntes Headset am Kopf trägt, das seine Blickrichtungen direkt an das Kameraobjektiv im Körper weitergibt. »Der Operateur kann sich jetzt voll und ganz auf den Eingriff konzentrieren und muss dem bislang anwesenden Kamera-Assistenten keine Anweisungen mehr geben«, erklärt Oberarzt Jurke, der zudem als Koordinator im Prostatakarzinom-Zentrum des Klinikums fungiert. Dr. Rüdiger Klän, Chefarzt der Urologie, betont einen der größten Vorteile der Maschine: »Selbst der beste Assistent kann die Kamera nicht so verwackelungsfrei halten wie der Roboter.« Besonders bei Prostata-Operationen sei dies gewebeschonend. Pro Woche komme der Roboter bis zu vier Mal zum Einsatz.
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22.01.2010
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