Von Klaus Bardenhagen
Taipeh (WB). Die »Mission Asien« haben sie erfolgreich abgeschlossen: Drei Athleten des Gehörlosen-Sportvereins Bielefeld kehren als Medaillengewinner von den Deaflympics in Taiwan zurück. Fußballerin Fatma Alkan hat Silber im Gepäck, die Handballer mit Linksaußen Benjamin Klahold und Co-Trainer Manfred Barlach haben bei den Olympischen Spielen der Gehörlosen Bronze gewonnen. Am Freitag landen sie wieder in Deutschland.
»Ein einmaliges Erlebnis« seien diese Deaflympics in Taiwans Hauptstadt Taipeh gewesen, darin sind die drei sich einig. »Die Gastfreundlichkeit und der Aufwand, der betrieben wurde - das war so wie bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland«, sagt Benjamin Klahold. Der 31-Jährige aus Altenbeken war das erste Mal in Asien und ist erst vor einem Jahr zur Handball-Nationalmannschaft gestoßen. In Taipeh kam er in jedem Spiel zum Einsatz und erzielte auch ein Tor beim entscheidenden 35:20-Sieg gegen die Türkei im Spiel um Platz drei.
Die Bronzemedaille ist für Klahold das »Sahnehäubchen«. Für die Mannschaft war es das Minimalziel, sagt Trainer Manfred Barlach. Doch der spätere Goldmedaillengewinner Kroatien war im Halbfinale einfach zu stark.
Der Einmarsch ins Stadion vor 20 000 Zuschauern bei der Eröffnungsfeier, die Fernsehkameras bei jedem Spiel - das alles hat Barlach schwer beeindruckt. »Gehörlosensport findet in Deutschland fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt«, sagt der Tischler aus Preußisch Oldendorf, der als aktiver Handballer 88 Länderspiele bestritten und sechs Deaflympics erlebt hatte. »Es wäre schön, wenn er auch bei uns mal im Fernsehen wäre.«
Tatsächlich gehören die »Deaflympics« (von englisch »deaf« für taub) wie die Paralympics der Körperbehinderten zur Olympischen Familie. Fast zwei Wochen lang haben sie das Stadtbild von Taipeh geprägt.
4 000 Sportler aus 80 Ländern waren angereist, das 160-köpfige deutsche Aufgebot war eines der größten. Weil Gehörlose nur selten die Leistung hörender Spitzensportler erreichen können und mit der Gebärdensprache eine eigene Art der Kommunikation haben, veranstalten sie schon seit 1924 ihre eigenen Spiele.
Ob Leichtathleten, Schwimmer, Schützen oder Mannschaftssportler - während der Wettkämpfe sind Hörgeräte streng verboten, damit Schwerhörige und komplett Gehörlose unter gleichen Bedingungen antreten.
Am Regelwerk gibt es trotzdem kaum Änderungen. An den Ecken des Handball-Feldes stehen rote Signallampen, die Startpistole beim Laufen wird durch eine Art Ampel ersetzt, und beim Fußball winkt der Schiedsrichter bei jedem Pfiff mit einer Fahne. Obwohl die Sonne in Taipeh auf den Rasen knallte und es ständig heißer als 30 Grad war, erreichte die deutsche Frauen-Fußballmannschaft das Endspiel. Dort unterlag sie am Montag den USA mit 0:4.
Im großen Stadion vor mehreren tausend Zuschauern zu spielen, das war eine neue Erfahrung für Fatma Alkan. Als die Deutschen im vergangenen Jahr in Griechenland überraschend Vize-Weltmeisterinnen wurden, kamen nicht annähernd so viele.
Als »Sechser« vor der Abwehr spielt die 28-Jährige beim Gehörlosen-Sportverein Bielefeld sowie für einen Hörenden-Verein aus Essen. Mit Silber habe die Mannschaft ihr Ziel knapp verpasst, gibt sie per Gebärdensprache zu verstehen. Sie habe nicht damit gerechnet, dass die Amerikanerinnen so stark waren. Die Medaille wird bei ihr zuhause trotzdem einen Ehrenplatz erhalten. Die nächste Chance auf Gold hat sie in vier Jahren, wenn die Deaflympics in Athen stattfinden.